Kurs 1 / Kurs 2
9:00 - 17:00
Matthias Böttger
(Kurs 1)

Wie wollen wir leben? Personal-Utopia
"Out of generous dreams come beneficial realities. Utopia is the principle of all progress, and the essay into a better future.“
Anatole France

Kunst verstanden als Form des subjektiven Erkenntnisgewinns, als persönliches Abarbeiten an individuellen Fragen und Hoffnungen, die sich zwar auch anderen Professionen stellen, dort aber objektiv und rational verhandelt werden müssen. Anhand von Beispielen werden verschiedene künstlerische Positionen zu der alles entscheidenden Frage nach dem Leben, den Lebensräumen und Lebenswelten untersucht, diskutiert und mit theoretischen Texten verknüpft.Jeder Student entwickelt eine fiktive Künstleridentität und definiert deren Kunstauffassung, deren Portfolio, deren Idee vom Leben und deren Verhältnis zu Architektur und Raum. Durch die Augen der eigens geschaffenen Künstleridentität wird ein neuer, präziser Blick möglich. In urbanen Interventionen werden temporäre utopische Situationen errichtet. Utopie-Stationen, deren Potential darin besteht, ungewohnte Gemeinschaftsformen und Kommunikationsangebote zu erproben und gesellschaftliche Konventionen zu bespiegeln. Welche künstlerischen Mittel eignen sich zum Eingreifen in gewohnte Seh- und Lebensweisen? Wie werden Bilder und Erzählungen erzeugt? Was kann man wie ausdrücken und warum? In Spaziergängen, Videos, Szenarien, Installationen und anderen künstlerischen Prozessen wird jeder angeleitet, seinen subjektiven Weg zu gehen, seinen Raum, seine Welt zu finden.
Robert Estermann
(Kurs 2)

Fragen und Küchentricks *)
„Asking or telling: there isn’t any difference.“
John Brockman

Jeden Montag werden aktuelle Künstlerpositionen performativ ohne Hilfsmedien präsentiert und besprochen, wodurch der mündliche Ausdruck und die Vorstellungskraft geschärft werden sollen. Ein weiterer sprachlicher Teil des Unterrichts sind ausgesuchte theoretische Texte, welche wir gemeinsam lesen und besprechen. Zweimal pro Semester führen wir ganztägige Übungsexamen durch. Abgesehen von diesen Examensübungen sehen wir bewusst von klassischen Abgaben ab, und (über)fordern uns viel lieber mit komplexen, grauwertigen (künstlerischen, empirischen und gesellschaftlichen) Fragestellungen und Dispositiven, welche unser eigenes künstlerisches Denken und Tun anregen. Das „Offene“ in der künstlerischen Praxis sollte erkannt und ausgehalten werden. Das Ziel ist nicht, sich dabei mit taktischen Reflexen „freizukaufen“.Neben der sprachlichen künstlerischen Auseinandersetzung lernen wir, mit wenigen Linien komplex zu denken (Zeichnung) und erproben in öffentlichen Räumen mit minimalen Handlungen Wahrnehmungs-Dispositive, wo Rollen neu verhandelt werden und auch Architektur spezifisch interpretiert wird (Performance). Der Unterricht selber kann zudem Angelpunkt sein für weitere situationistische Interventionen.

Wir erörtern Fragen, sprachlich, zeichnerisch und performativ.Die Künstlervorträge, Zeichenübungen und Examensübungen veranstalten wir als gruppenübergreifende Aktivitäten, gemeinsam mit Christl Mudrak und ihrer Gruppe. Dies erlaubt ein noch offeneres Spektrum künstlerischer Horizonte.

*) Der Seminarraum der Gruppe Estermann hat eine Küche.,
Kurs 3 / Kurs 4
9:00 - 17:00
Stefan Heidenreich
(Kurs 3)

Theorie als Methode, erfinderisch zu denken. Ästhetik, Medien und Kunst
Der Kurs gibt eine Einführung in philosophische und ästhetische Theorien der Gegenwart, und zeigt, wie sie orientiert an Aufgaben und Problemen angewandt werden können. Die Diskussion wird von gemeinsam gelesenen Texten ausgehen, um sich dann auf aktuelle Fragen aus Kunst, Architektur oder Politik auszudehnen. Am Anfang gebe ich einen Überblick über Themen und Thesen, die gegenwärtig im Kunstumfeld gelesen und diskutiert werden. Dann werden wir mit Michel Foucaults „Heterotopien“ beginnen, Sol LeWitts „Sätze über konzeptuelle Kunst“ lesen und von dort aus das Programm dem gemeinsamen Interesse folgend weiter entwickeln. Ziel ist es zu zeigen, wie Theorie angewandt werden kann, um die richtigen Fragen zu stellen, Probleme zu lösen (oder Lösungen zu problematisieren) und Ideen abseits des Naheliegenden zu finden.

Der Seminar-Tag besteht je aus zwei Teilen. Vormittags wird das Thema der letzten Woche vertieft und durch Reports zu offen gebliebenen Fragen abgeschlossen. Nachmittags wird das neue Thema ausgewählt und erarbeitet.

In einem Kurs-Wiki werden Quellen, Hinweise und Ideen protokolliert, so dass sie immer von allen nachgeschlagen werden können. Jeder Student wird mindestens einmal am Wiki Protokoll führen.
Eckhard Karnauke
(Kurs 4)

Kunst – Fotografie
In diesem Praxisseminar sollen die Studierenden mittels der Verwendung von Fotografie und anderer technischer Bildmedien in die künstlerische Praxis eingeführt werden. Am beispielhaften Umgang von namhaften Künstlern mit diesen Medien wird ein Spektrum auch gegensätzlicher Haltungen aufgezeigt die in ihrem künstlerischen Denken und Handeln auch für die Arbeit an und mit Architektur relevant sein können.

Ziel ist die Entwicklung eines Vokabulars für eine eigenständige Bildsprache und Ausdrucksweise im Umgang mit technischen Bildmedien und einer kritischen Position zu ihnen. 

Die Arbeit mit den Medien wird als ein Prozess begriffen, bei dem der Druck auf den Auslöser nicht der erste Schritt und die Betrachtung des Bildes am Monitor nicht der letzte sein soll. Um über den Tellerrand des Mediums Fotografie hinauszublicken und z.B. auch Zeichnung, Collage, Installation und Architektur einzubeziehen, sind Spiel und Experimentierfreude gefragt.

In Seminarform mit Praxismodulen werden handwerkliche Grundlagen für die Nutzung von analoger und digitaler Fotografie vermittelt. Tagesübungen sowie Übungen über längere Zeiträume sollen zur Erarbeitung von eigenen Inhalten und künstlerischen Methoden führen und die handwerklichen Grundlagen festigen. Auf formaler Ebene werden dabei unter anderem die Wechselwirkung von Bildern untereinander, ihre Materialbeschaffenheit und Präsentationsformen sowie ihre Anordnung im Raum thematisiert. In regelmässig stattfindenden Einzel- und Gruppengesprächen werden die Ergebnisse oder die Zwischenstufen der Übungen einer kritischen Würdigung unterzogen.
Kurs 5 / Kurs 6 
9:00 - 17:00
San Keller
(Kurs 5)

Konzept- und Aktionskunst
Handlung und Reflexion
Im Praxisseminar "Handlung und Reflexion" lernen die Studierenden die Konzeption, Kommunikation, Realisation und Dokumentation einer Aktion. Verlangt werden eine grundsätzliche kritische Betrachtung alltäglicher Handlungen und der dazugehörigen Entscheidungsgrundlagen. Die Konzepte für die Aktionen entstehen aus persönlichen Erfahrungen im Umgang mit der Gesellschaft. Die eigene Person und ihr Handlungsspielraum dienen dazu als Experimentier- und Spannungsfeld. 

Performative Vorträge
Die Studenten erarbeiten in kleinen Gruppen performative Vorträge zu wichtigen künstlerischen Positionen der Konzept- und Aktionskunst. Im Dialog versuchen die einzelnen Gruppen die jeweilige künstlerische Haltung nachzuvollziehen und dieses Verständnis in einen performativen Vortrag weiterzuentwickeln.  

So wird’s gemacht
Welches sind die Produktions- und Rezeptionsbedingungen von bildender Kunst in  Zürich? Im Rahmen des Praxisseminars besuchen wir Künstler in ihrem Atelier, Kuratoren im Museum, Galeristen in der Galerie, Kritiker auf der Redaktion und Sammler in ihrer Sammlung, um sie an ihrem Arbeitsplatz nach ihren Arbeitbedingungen zu befragen.

Mitgedacht
Der Dozent lässt seine Studierenden spielerisch an seiner eigenen Arbeit mitdenken, indem er sie wöchentlich mit einer brennenden Frage aus seinem Arbeitsalltag konfrontiert.
Sara Masüger
(Kurs 6)

Kunst und Raum
In diesem Seminar beschäftigen wir uns mit der Schnittstelle von Architektur und Kunst: Wo treffen Kunst und Architektur aufeinander? Wie beeinflussen sie sich?

Als Schwerpunkt befassen wir uns mit dem Raum: Was könnte Raum sein?

Wie verhalten wir uns körperlich dazu? Innenraum, Aussenraum, Raumwahrnehmung, Fiktion, Vorstellungsräume, Modelle, soziale Räume.

Vormittags werden Vorträge gehalten über künstlerische Positionen der 70er Jahre bis heute, die sich mit Raum im weitesten Sinn befassen. Es werden Texte zur Raumtheorie sowie fiktive Erzählungen gelesen. Ausstellungsbesuche und Diskussionen ergänzen den Unterricht. Nachmittags wird praktisch an den individuellen Projekten gearbeitet. Modelle gebaut, gezeichnet, fotografiert, geschrieben. Das bevorzugte Medium ( z.B. Zeichnung, Video, Text) ergibt sich durch die Idee, das Konzept, und kann sich durch den Arbeitsprozess verändern.
Beim praktischen Arbeiten ist es wichtig,  das Potenzial von Umwegen zu erkennen, das Entwickeln, Festigen, Behaupten einer eigenen Sichtweise, Haltung, Sprache und Bildsprache. Damit genügend Zeit bleibt, sich auf eigene sowie gemeinsame Prozesse einzulassen und die Auseinandersetzung zu vertiefen, wird das Jahr in drei grössere Projekte eingeteilt:

1.   Funktionslose Räume oder utopische Modelle
Es wird nach Formen oder Objekten gesucht, die als Raum gedacht und weiterentwickelt werden können, mit ihren fiktiven Zuständen und Konsequenzen.

2.   Raum und Inszenierung
Was könnte sich in einem Raum abspielen?
Wie beeinflusst der Raum das Geschehen?
Wie verhält sich der Körper zum Raum? 
Erinnern sich Räume?

3.   Freies Projekt
Es werden eigene Projekte zum Thema Raum entwickelt.
Kurs 7 / Kurs 8
9:00 - 17:00
Christl Mudrak
(Kurs 7)

Raum / Zeit Kurs im Schwarzen Haus Weiss
Zeichnung / Malerei / Raumtheorie / Künstlervorträge
Das Arbeitsgebiet dieses Jahreskurses ist das Thema Raum. Durch die eigene künstlerische Praxis, die Lektüre raumtheoretischer Grundlagentexte sowie durch Vorträge zu raumspezifischen Kunstwerken soll dieses Thema in seiner ganzen Vielschichtigkeit erschlossen werden. Es geht darum, ein Verständnis für die Komplexität von Raumordnungen anhand von verschiedenen Ideen und Fragestellungen zu erlangen, um dies für die eigene künstlerisch-praktische Arbeit bewusst einsetzen zu können.

Um eine erste Sensibilisierung der Seh- und Denkvorgänge für die künstlerische Arbeit zu erreichen, wird im Kurs ein intensiver Umgang mit Zeichnung und Malerei angestrebt. In raumgreifenden Experimenten im Schwarzen Haus Weiss wird die Wirkung von Zeichnung und Malerei getestet, um die Möglichkeiten und Bedingungen der beiden Medien kennenzulernen.

Ein Querschnitt von raumtheoretischen Grundlagentexten, die sich nicht nur mit der Phänomenologie des Raumes auseinandersetzen, sondern auch über mediale, soziale und ästhetische Räume reflektieren, soll im Kontext künstlerischer Übungen erarbeitet werden.

Die Künstlervorträge, Zeichenübungen sowie Examensübungen werden als gruppenübergreifende Aktivitäten gemeinsam mit Robert Estermann veranstaltet. 

Fragen zum Raum sind als eine Schnittstelle für künstlerische und architektonische Positionen zu verstehen und deswegen von besonderer Relevanz für das Architekturstudium.
Harry Walter
(Kurs 8)

Kunst – Raum – Architektur
Übungen zum künstlerischen Denken
Kunst und Architektur treffen nicht erst dort zusammen, wo eine Fassade gestaltet oder eine  Skulptur vor ein Gebäude gestellt wird. Sich im Architekturstudium mit Kunst auseinanderzusetzen, bedeutet zunächst einmal: sich irritieren zu lassen von allereinfachsten Fragen. Was zum Beispiel ist der Unterschied zwischen innen und aussen, oben und unten, links und rechts, zwischen privat und öffentlich? Oder: Wo sind wir, wenn wir schlafen? - Wenn Architektur die Herstellung von benutzbarem / bewohnbarem Raum bedeutet, dann bietet es sich an, dies zum Ausgangspunkt einer künstlerischen, das heißt: dezidiert subjektiven und gleichwohl überprüfbaren Auseinandersetzung mit grundsätzlichen Fragen menschlicher Raumeinpassung zu machen.

In Form einfacher und aufeinander aufbauender praktischer Übungen sollen mit unterschiedlichen künstlerischen Techniken – Zeichnung / Installation / Modelle - wesentliche Aspekte unseres Raumbegriffs freigelegt und mit Beispielen aus der zeitgenössischen Kunst sowie einer Auswahl theoretischer und literarischer Texte abgeglichen werden. Letzten Endes versteht sich dieser Kurs als eine Einführung in das „künstlerische Denken“.

Zu jedem Termin gibt es eine Einführung in die Tagesaufgabe und ein abschliessendes Treffen mit einer Besprechung der einzeln oder in Gruppen erarbeiteten Ergebnisse. Ergänzt und konterkariert wird diese eher systematische Herangehensweise durch ein Paktieren mit dem Zufall. Möglich, dass uns eine kleine Randbeobachtung oder ein Spaziergang durch den Zürcher Zoo einen ganz anderen Weg als den vorgezeichneten einschlagen lässt. Semesterübergreifendes Ziel wird es sein, die gewonnenen Resultate zu einer Art Schlussbild zusammenzuführen: in Form eines Buches, einer Präsentation oder einer wie immer gearteten Integralform.
Kurs 9
9:00 - 17:00
Florian Wojnar
(Kurs 9)

Läufer e4 schlägt Turm c6
In meinem Kurs steht zu Beginn eine Auseinandersetzung mit dem für die Kunst der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts wichtigen Künstler Marcel Duchamp. Es geht dabei aber nicht um seine kunsthistorische Rezeption. Vielmehr wollen wir seine Arbeit als Anregung verstehen und ihn aus der jeweils ganz persönlichen Sicht eines jeden von euch interpretieren. Dabei werden wir uns der Figur Duchamp von verschiedenen Seiten und mit ganz unterschiedlichen Materialien nähern. Jeder kann sich in dem Medium seiner Wahl ausprobieren: ihr könnt Schach spielen, Gedichte schreiben, einen Film drehen, malen, zeichnen, euch eine Performance ausdenken oder Bühnendialoge führen. Wir werden versuchen daraus Kunst zu machen und immer wieder darüber diskutieren, um mögliche Kriterien künstlerischen Denkens kennenzulernen und für eure Arbeiten zu entwickeln. Im Wechselspiel zwischen dem praktischen Umsetzen eurer Ideen und dem gemeinsamen Reflektieren darüber soll eine eigene präzise Argumentationsweise entwickelt werden, die sich aus eurer Arbeit schlüssig ableitet. Ziel des Kurses ist es, diese Form einer präzisen künstlerischen Denk- und Arbeitsweise zu verstehen lernen. Sie bietet eine mögliche Grundlage, die beim Entwickeln und Durchdenken architektonischer Projekte sehr hilfreich sein kann.